Eggen & Kanten von Mike Egger

Wenn über Gewalt gegen Frauen gesprochen wird, sind sich wohl alle einig, dass sie konsequent bekämpft werden muss. Unangenehm wird die Debatte jedoch oft, sobald es um die Frage geht, wer die Täter sind und welche Ursachen hinter der Gewalt stehen. Besonders beim Zusammenhang zwischen Migration und Gewalt wird relativiert, ausgewichen oder geschwiegen.
Die Zahlen sind deutlich
Gemäss dem Bericht des Eidgenössischen Departement des Innern «Häusliche Gewalt im Migrationskontext» sind Männer mit Migrationshintergrund bei häuslicher Gewalt überdurchschnittlich häufig beteiligt. Ausländer werden bei häuslicher Gewalt in Paarbeziehungen im Durchschnitt 3,9 mal so häufig als Beschuldigte registriert wie Schweizer. Auch bei besonders schweren Delikten zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Bei versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten innerhalb von Partnerschaften liegt die Rate ausländischer Tatverdächtiger bei 1,8 pro 100’000 Einwohner, bei Schweizern beträgt sie 0,7.
Besorgniserregend ist auch die Einstellung eines Teils der Jugendlichen. 10,6 Prozent der männlichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund heissen Gewalt in der Familie gut. Bei Schweizer Jugendlichen sind es 4,6 Prozent.
Probleme erkennen statt ignorieren
Wer ein Problem lösen will, muss zuerst bereit sein, es klar zu benennen. Deshalb müssen wir auch über mögliche Ursachen sprechen. Dazu gehören patriarchalische Familienstrukturen, kulturelle und religiöse Vorstellungen, die mit unseren Grundwerten in Konflikt stehen, sowie mangelnde Integration. In der Schweiz sind Frauen und Männer gleichberechtigt. Frauen sind weder ihrem Ehemann noch ihrem Vater oder ihren Brüdern untergeordnet. Sie entscheiden selbst über ihr Leben. Wer dauerhaft in unserem Land leben will, muss diese Grundsätze respektieren. Hier darf es keine falsche Toleranz geben.
Integration bedeutet deshalb weit mehr, als Deutsch zu lernen und einer Arbeit nachzugehen. Wer in der Schweiz lebt, muss unsere Rechtsordnung und die grundlegenden Werte unseres Zusammenlebens anerkennen. Dazu gehört insbesondere der uneingeschränkte Respekt gegenüber Frauen.
Wer auf die entsprechenden Statistiken hinweist, sieht sich jedoch schnell mit dem Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit konfrontiert. Damit wird vom eigentlichen Thema abgelenkt. Plötzlich steht nicht mehr das Problem im Zentrum, sondern derjenige, der es anspricht.
Das hilft niemandem und schon gar nicht den betroffenen Frauen. Eine wirksame Politik gegen Gewalt an Frauen darf deshalb keine blinden Flecken haben. Sie muss Prävention und Opferschutz stärken, Täter konsequent zur Verantwortung ziehen und zugleich bereit sein, kulturelle und gesellschaftliche Ursachen offen anzusprechen.
Frauenrechte gelten für jeden, unabhängig von seiner Religion oder Herkunft. Wer Frauen schützen will, muss deshalb auch dort hinschauen, wo die Fakten unbequem sind. Probleme aus falsch verstandener Rücksicht zu verschweigen, schützt am Ende nicht die betroffenen Frauen, sondern die Täter.
Ihre Meinung zu diesem Thema interessiert uns. Schreiben Sie per Mail an:
m.egger@schweizerkombi.ch
Nationalrat Mike Egger (Jahrgang 1992) wurde 2012 in den St. Galler Kantonsrat gewählt und rückte 2019 für Toni Brunner in den Nationalrat nach. Neben seinem politischen Engagement ist der ausgebildete Fleischfachmann heute stellvertretender CEO der MALU Holding AG. An der Fachhochschule Graubünden hat er sich zum Executive Master of Business Administration weitergebildet. Er ist Mitglied der nationalrätlichen Kommission für Umwelt-, Raumplanung- und Energie (UREK-N).



